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Beitrag 135.1

Tandems von Fachpersonen in Partnerschulen: Eine Strategie zur Verknüpfung akademischer und berufspraktischer Kompetenzen im beruflichen Handeln

 

Ein wichtiger Teil der berufspraktischen Studien an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) findet in Partnerschulen statt. Die Partnerschaft von Schule und Hochschule ermöglicht den Studierenden durch mehrere Praktika an derselben Schule einen konsistenteren Aufbau berufspraktischer Kompetenzen, insbesondere mit Blick auf das Lernen der Schüler/innen. Seit 2017 absolvieren alle Studierenden der PH FHNW das sogenannte Partnerschuljahr.

Die Professionalisierung angehender Lehrpersonen wird gefördert durch intensive und individuelle Arbeit an zentralen Praktiken beruflichen Handelns. Die längere Verweildauer in Partnerschulen eröffnen mannigfache Gelegenheiten zur Entwicklung, Reflexion und Elaborierung von Kernpraktiken. Dies wird in der Partnerschule in kooperativen Settings fokussiert: in begleitenden Reflexionsseminaren und im Mentorat sowie beim Co-Planning und Co-Teaching im Mikroteam (Studierendentandem und Praxislehrperson). Die SNF-Studie zu Partnerschulen (2013-2016) zeigte, dass in Partnerschulen mehr Kooperation im Mikroteam stattfindet als in herkömmlichen Praktika. Zudem konnte ein positiver Zusammenhang zwischen der Kooperationsintensität und der Einstellung und Orientierung der Studierenden zur Wissensintegration festgestellt werden (Fraefel, Bernhardsson-Laros & Bäuerlein, 2017).

Die Lernbegleitung der Studierenden wird grundsätzlich von der Hochschule verantwortet, kann jedoch nur in Zusammenarbeit von Schule und Hochschule gelingen. Für die Intensivierung der Kooperation zwischen Schule und Hochschule erscheinen Tandems von Fachpersonen aus dem jeweiligen Bereich vielversprechend und werden ab dem Herbstsemester 2018 eingesetzt. Sie bestehen aus einer Fachperson der PH (PH-Dozierende/r, Mentor/in) und einer schulbasierten Fachperson (Praxis-Dozierende/r). Letztere erwerben im Rahmen eines neu konzipierten CAS-Lehrgangs wissenschaftliche und lehrerbildnerische Kompetenzen, die ihre berufspraktischen Kompetenzen ergänzen.

Durch den Einsatz der Praxis-Dozierenden verfügt die Hochschule über speziell geschulte Fachpersonen und Multiplikatoren mit beruflichen, didaktischen und fachlichen Kompetenzen im Schulfeld. Praxis-Dozierende können im Rahmen der Weiterbildung zusätzliche Aufgaben in der Partnerschule und den Berufspraktischen Studien übernehmen, und sie begleiten die Studierenden der Partnerschule im Projektpraktikum, wo Bildungsprozesse ausserhalb der Unterrichtstätigkeit fokussiert werden.

Die Begleitforschung zur Implementation der Praxis-Dozierenden der Pädagogischen Hochschulen FHNW, St.Gallen und Zürich wird von swissuniversities unterstützt (Laufzeit 2017-2020). Ziel der Studie, deren Gegenstand die Entwicklung und Wirkung der Tandems professioneller Fachpersonen sind, ist die Perspektiventriangulation aller Akteure, d.h. der Praxis-Dozierenden, Praxislehrpersonen, Studierenden, Schulleitungen und der PH-Dozierenden. In einer längsschnittlichen Erhebung mit drei bzw. vier Messzeitpunkten werden schriftliche Befragungen durchgeführt und mit Einzel- bzw. Gruppeninterviews und -diskussionen im Sinne eines Mixed-Methods-Designs mit N=30 kombiniert. Dieser Beitrag stellt den aktuellen Stand der Evaluationsstudie des Teilprojektes der PH FHNW dar. Erste Ergebnisse der Base-Line-Erhebung zu den Erwartungen der künftigen Praxis-Dozierenden bezüglich ihrer Funktion und Aufgabe, welche mittels Gruppeninterviews gewonnen wurden, werden vorgestellt.

 

Literatur

Fraefel, U., Bernhardsson-Laros, N. & Bäuerlein, K. (2017). Partnerschulen als Ort der Professionalisierung angehender Lehrpersonen Konzept: Implementierung, forschungsbasierte Weiterentwicklung und generelle Einführung im Bildungsraum Nordwestschweiz Konzeptionelle Perspektiven schulpraktischer Professionalisierung (S. 57–75). Münster: Waxmann.