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Beitrag 135

Aufbau theorie- und erfahrungsgesättigter Praktiken in der Lehrpersonenbildung: Ein zukunftsfähiges Modell jenseits der Theorie-Praxis-Dichotomie

 

Heutige Lehrpersonenbildung von den „Praktiken“ her zu denken, stösst verbreitet auf Skepsis, wo doch mit der Tertiarisierung ein pragmatischer Ansatz überwunden schien, der die praktische Bewältigung von Herausforderungen des Schulalltags in den Vordergrund stellte. Praktiken werden oft in die Nähe von reinen Routinen, rezepthaftem Handeln, „technischen“ Anleitungen und theoriefernen Praxistipps gerückt – also mit Dingen in Verbindung gebracht, die eher wissenschaftsfern konnotiert sind.

Das Schlüsselkonstrukt der Lehrpersonenbildung hat seit den 90er Jahren nicht „Praktiken“, sondern „Kompetenz“ geheissen und hat sich im deutschsprachigen Raum flächendeckend durchgesetzt. Gemäss Weinert (1999) beziehen sich Kompetenzen auf einen verfügbaren Bestand von Voraussetzungen, die erfolgreiches Handeln ermöglichen. Ob die Kompetenz sich in adäquatem Handeln manifestiert, bleibt offen – Kompetenz ist bloss ein Versprechen. Anders verhält es sich mit dem Konstrukt „Praktiken“. Wenn spezifische „Praktiken“ erworben werden, ist diesen die Umsetzung inhärent, denn Praktiken sind Handeln. Sie vereinigen in sich sowohl die Kompetenzen einer Person, als auch das angemessene, wirkungsvolle, flexible und habituelle Handeln. Bereits von Aebli (1961) als „Grundformen“ angedacht, ist das Konzept der „Kernpraktiken“ in jüngerer Zeit entscheidend weiterentwickelt worden (core practices, Grossman et al., 2009) und hat das Potential, zu einem Schlüsselkonstrukt der Lehrpersonenbildung aufzusteigen.

Die Beiträge des Symposiums kreisen um die Frage, wie wirkungsvolle und zutiefst professionelle Praktiken – Kernpraktiken – in der Lehrpersonenbildung erworben und flexibel weiterentwickelt werden können.

 

Literatur

Aebli, H. (1961). Grundformen des Lernens. Stuttgart: Klett.

Grossman, P., Hammerness, K. & McDonald, M. (2009). Redefining teaching, re-imagining teacher education. Teachers and Teaching, 15 (2), 273-289.

Weinert, F. E. (1999). Concepts of Competence. Neuchâtel: SFSO/NCES/OECD.