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Beitrag 131

Der Übertritt in den Lehrberuf – Ressourcen und Kompetenzen am Ende des Studiums

 

Der Berufseinstieg ist eine zentrale Entwicklungsphase in der Berufsbiografie von Lehrpersonen (Freisler-Mühlemann & Paskoski, 2018), in der die im Studium erworbenen Kompetenzen weiterentwickelt und professionsrelevante Haltungen entfaltet werden. Die berufsbiografische Forschung geht davon aus, dass diese Kompetenzen und Haltungen im Kontext von personalen, sozialen und biografischen Ressourcen entwickelt werden (Keller-Schneider & Hericks, 2014; Terhart, 2011). Noch ist wenig bekannt zur Bedeutung dieser verschiedenen Ressourcen für die professionelle Entwicklung von Lehrpersonen in der Berufseinstiegsphase, weshalb diese Zusammenhänge in einer laufenden Studie untersucht werden. Mit einem quantitativen Zugang wird die Entwicklung der Kompetenzeinschätzung unter Berücksichtigung der Selbstwirksamkeitserwartung und der Berufsmotivation als personale Ressourcen und der Unterstützung am Arbeitsort, der Hochschule und dem privaten Umfeld als soziale Ressourcen untersucht. Mit einem qualitativen Zugang wird die Entfaltung professionsrelevanter Haltungen unter Bezugnahme von subjektiv bedeutsamen Erfahrungen als biografische Ressourcen analysiert.

Im Beitrag werden erste Studienbefunde präsentiert. Diesbezüglich interessiert, weshalb nach dem Studium nicht direkt in den Lehrberuf eingestiegen wird. Aktuelle Daten zeigen, dass über 80% der Hochschulabsolventinnen und -absolventen nach dem Studium direkt in den Lehrberuf einsteigen (SKBF, 2018, S. 264). Nicht direkt eingestiegen wird, wenn der Beruf als Zwischenstation gewählt wurde, aufgrund einer attraktiven alternativen beruflichen Tätigkeit oder aufgrund privater Gründe (Ingrisani, 2014, S. 299). Um die Fragestellung zu beantworten, wurden Daten der Abschlusskohorte 2018 (N=269) der Vorschul- und Primarstufe der PHBern analysiert. Davon geben 215 Absolventinnen und Absolventen an, direkt in den Beruf einzusteigen, während 54 nicht die Absicht haben, direkt einzusteigen. Dazu werden in einem ersten Schritt die interessierenden personalen Ressourcen Berufsmotivation, Kompetenzeinschätzung und Selbstwirksamkeitserwartung beschrieben. Zweitens werden in Abhängigkeit der Berufseintrittsabsicht Unterschiede in diesen personalen Ressourcen geprüft und als Drittes werden Gründe dargelegt, weshalb nicht direkt in den Lehrberuf eingestiegen wird.

Es wird angenommen, dass Studierende mit direkter Berufseintrittsabsicht höhere Selbstwirksamkeitserwartung aufweisen, ihre Kompetenzen höher einschätzen und eine unterschiedliche Berufsmotivationsstruktur aufweisen als Studierende ohne direkte Berufseintrittsabsicht. Die angegebenen Begründungen für einen verzögerten Berufseinstieg stützen diese Annahme. Diesbezüglich werden vornehmlich Überforderung während dem Studium, die Erholung danach, die Verwirklichung anderer Interessen oder Reisen genannt.

Die Befunde werden kritisch diskutiert und in Bezug zur bildungspolitischen Diskussion zwischen Eignungsabklärung von angehenden Lehrpersonen und Lehrpersonenmangel gesetzt. Ausblickend wird das weitere Vorgehen der Studie vorgestellt und Herausforderungen der Studie besprochen.

 

Literatur

Freisler-Mühlemann, D., & Paskoski, D. (2018). Reflexive Haltung zentral für die Schulpraxis. Vpod bildungspolitik, 205, 19-21.

Ingrisani, D. (2014). Die „neuen“ Lehrerinnen und Lehrer. Eine Befragung der ersten Jahrgänge der neuen Vorschul- und Primarlehrerinnen- und -lehrerausbildung der deutschen Schweiz. Bern: Haupt Verlag.

Keller-Schneider, M., & Hericks, U. (2014). Forschungen zum Berufseinstieg. Übergang von der Ausbildung in den Beruf. In E.

Terhart, H. Bennewitz, & M. Rothland (Hrsg.), Handbuch der Forschung zum Lehrerberuf (S. 296-313). Münster: Waxmann.

SKBF (2018). Bildungsbericht Schweiz 2018. Aarau: Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung.

Terhart, E. (2011). Lehrerberuf und Professionalität: gewandeltes Begriffsverständnis - neue Herausforderungen. In W. Helsper., & Tippelt, R. (Hrsg.), Pädagogische Professionalität (S. 202-224). Weinheim: Beltz.