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Beitrag 126.2

Typen der Wahrnehmung von Berufsanforderungen als Ausdruck der beruflichen Identität und die Bedeutung von Kontextfaktoren und Ressourcen

 

Der Berufseinstieg stellt Anforderungen, auf die strukturbedingt aufgrund der Komplexität und Dynamik der Anforderungen nur begrenzt vorbereitet werden kann. Die sich stellenden Herausforderungen anzunehmen und zu bearbeiten ist von Bedeutung, um in der Professionalisierung voranzukommen und eine berufliche Identität zu entwickeln. Gemäss den Studien von Hericks (2006) und Keller-Schneider (2010) bündeln sich diese Herausforderungen zu vier Entwicklungsaufgaben, die auf die Person als Berufsperson in ihrer Rollenfindung, die adressatenbezogene Vermittlung, die anerkennende Klassenführung und auf die mitgestaltende Kooperation in der Institution Schule fokussieren. In der Auseinandersetzung mit diesen Anforderungen bildet sich eine professionelle Identität heraus.

Gestützt auf die transaktionale Stresstheorie von Lazarus (Lazarus & Launier, 1981) werden Anforderungen nach ihrer Bedeutsamkeit (primary appraisal) und ihrer Bewältigbarkeit (secondary appraisal) wahrgenommen und einem beanspruchenden Prozess bearbeitet. Daraus gewonnene Erkenntnisse gehen in die individuellen Ressourcen ein und lassen nachfolgende Anforderungen in einem veränderten Referenzrahmen erscheinen. In dieser Auseinandersetzung bildet sich eine von Überzeugungen gerahmte berufliche Identität heraus, aufgrund derer Anforderungen wahrgenommen und bearbeitet werden.

Die Frage stellt sich, inwiefern sich unterschiedliche Muster der Gewichtung der Auseinandersetzung mit den vier Entwicklungsaufgaben identifizieren lassen (1) und inwiefern sich darin stufenspezifische Schwerpunktsetzungen (2) sowie individuelle Charakteristika (3) niederschlagen.

Um diese Fragen zu prüfen werden Daten aus der schweizerischen Teilstichprobe der von SNF und DFG geförderten Studie KomBest genutzt, in welcher die Wahrnehmung von berufseinsteigenden Primar- und Gymnasiallehrpersonen untersucht wird. In der Fragebogenerhebung wurde die Wahrnehmung von Berufsanforderungen mit dem Instrument EABest (Keller-Schneider, 2010), individuelle Merkmale wurden mit weiteren Instrumenten erhoben (z.B. LSW Schmitz/Schwarzer, 2000; ressourcentheoretisch abgestützte Skalen nach Buchwald/Hobfoll, 2004 zur Wahrnehmung von Belastung und Freude).

In einer Clusteranalyse mit diskriminanzanalytischer Prüfung der Zuordnungstreffsicherheit werden über die subjektiven Relevanzsetzungen in der Auseinandersetzung mit den vier beruflichen Entwicklungsaufgaben Typen gebildet (1). Diese werden nach ihrer anteilsmässigen Verteilung der beiden Stufen untersucht (2). Unterschiede im Kompetenzerleben, in der Intensität der Auseinandersetzung, selbst- und lernbezogenen Überzeugungen, sowie der erlebten Belastung und Freude werden varianzanalytisch geprüft (3).

Ergebnisse zeigen, dass die durch unterschiedliche Muster der Relevanzsetzungen ausdifferenzierten Typen beruflicher Identitäten nicht nur die beruflichen Anforderungen je spezifisch wahrnehmen, sondern dass sich insbesondere auch stufenspezifisch differente Berufsverständnisse und individuelle Spezifika in den Typen niederschlagen.

Die Befunde zu unterschiedlichen Typen beruflichen Identitäten werden auf ihre Bedeutung für die Weiterbildung von Lehrpersonen diskutiert.

 

Literatur

Buchwald, P., & Hobfoll, S. E. (2004). Burnout aus ressourcentheoretischer Perspektive. Psychologie in Erziehung und Unterricht (51), 247-257.

Hericks, U. (2006). Professionalisierung als Entwicklungsaufgabe. Wiesbaden: VS

Keller-Schneider, M. (2010). Entwicklungsaufgaben im Berufseinstieg von Lehrpersonen. Münster: Waxmann.

Lazarus, R.S. & Launier, R. (1981). Stressbezogene Transaktionen zwischen Person und Umwelt. In J.R. Nitsch (Hrsg.), Stress (S. 213-259). Bern: Huber.

Schmitz, G., & Schwarzer, R. (2000). Selbstwirksamkeitserwartung von Lehrern: Längsschnittbefunde mit einem neuen Instrument. Pädagogische Psychologie 14(1), 12-25.