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Beitrag 124

Die schulische Leistung «zukünftiger» Lehrpersonen im internationalen Vergleich

 

Theoretische und empirische Bezugspunkte

Die Frage, wer sich für den Lehrberuf entscheidet und welche Kompetenzen angehende Lehrpersonen mitbringen, ist entscheidend für die Qualität eines Bildungssystems (Baumert et al., 2010; Hill, Rowan, & Ball, 2005). Hanushek et al. (2014) können anhand internationalen Daten Leistungsunterschiede der Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Kompetenzen der Lehrpersonen erklären. Sie zeigen, dass die in PIAAC gemessene Leistung von Lehrpersonen von Land zu Land stark variiert. (Hanushek et al., 2014). Wenn nun – wie die empirische Forschung zeigt – die Kompetenzen der Lehrpersonen den Kompetenzerwerb der Schülerinnen und Schüler beeinflussen (vgl. Darling-Hammond, 2000; Wayne & Youngs, 2003), ist es von Interesse zu wissen, aus welchem Bereich in der Kompetenzverteilung der Bevölkerung eines Landes die Personen stammen, die sich für den Lehrberuf entscheiden. Denn die Wirksamkeit eines Bildungssystems hängt nicht nur von den relativen durchschnittlichen Kompetenzen der Gesamtbevölkerung ab, sondern auch davon, aus welchem Bereich der Kompetenzverteilung die Personen stammen, die sich in den Lehrberuf selektionieren.

Methodisches Vorgehen

In diesem Aufsatz wird auf der Basis der PISA-Daten untersucht, welcher Anteil der 15-Jährigen mit dem Berufsziel Lehrer resp. Lehrerin sich durch eine kognitive Leistung auszeichnet, die über dem nationalen Median liegt. Weiter werden mittels multivariater Regressionen die Determinanten dieses Berufszieles untersucht.

Befunde

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die «zukünftigen» Lehrpersonen in der Schweiz im Vergleich zu den anderen Ländern durch überdurchschnittliche PISA-Leistungen (rund 45 Punkte über dem Median) auszeichnen. Damit weisen die «zukünftigen» Lehrerpersonen in der Schweiz und jene in Korea eine vergleichbare Leistung in PISA auf. Die relative Leistung der Schülerinnen und Schüler mit diesem Berufswunsch ist in Australien, Belgien, Italien und Grossbritannien signifikant tiefer, in Deutschland signifikant höher als in der Schweiz.

Diskussion

Mit den verwendeten internationalen Daten lassen sich markante Unterschiede in der Art und Weise feststellen, in der die verschiedenen Länder ihre Bildungssysteme mit Personal ausstatten. Der auf der Makroebene belegte Zusammenhang zwischen dem Humankapital der Lehrpersonen und der schulischen Leistung der Schülerinnen und Schüler weist auf die zentrale Rolle, die den Selektions- und Selbstselektionsprozessen für die Qualität im Bildungssystem zukommt. Für eine bessere Kenntnis dieser Zusammenhänge sind allerdings genauere Daten auf tieferer Aggregationsebene notwendig.

 

Literatur

Baumert, J.; Kunter, M.; Blum, W.; et al. (2010). Teachers’ Mathematical Knowledge, Cognitive Activation in the Classroom, and Student Progress. American Educational Research Journal, 47(1), 133–180. 

Hanushek, E. A.; Piopiunik, M.; & Wiederhold, S. (2014). The Value of Smarter Teachers: International Evidence on Teacher Cognitive Skills and Student Performance. National Bureau of Economic Research. 

Hill, H. C.; Rowan, B.; & Ball, D. L. (2005). Effects of teachers’ mathematical knowledge for teaching on student achievement. American Educational Research Journal, (2), 371–406.

Wayne, A. J., & Youngs, P. (2003). Teacher Characteristics and Student Achievement Gains: A Review. Review of Educational Research, 73(1), 89–122.