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Beitrag 134.3

Identitätsbildung als Subjektivationsgeschehen - Gegenstandskonstitution und empirische Befunde


Im Beitrag wird in kritischer Abgrenzung zum Konzept "professioneller Identität" untersucht, welche theoretische Modellierung «Professionalisierungsprozesse» möglichst produktiv abzubilden vermag. Der Beitrag wirft auch die Frage auf, welche Konsequenzen sich auf Basis der jeweiligen Gegenstandkonstitution für die empirische Erfassung der Phänomene ergeben. Im dritten Teil wird aus einem Forschungsprojekt berichtet, in dem vor dem Hintergrund aktueller Subjekttheorien (vgl. Reckwitz 2008), deren Gemeinsamkeit gerade nicht in "Identität", sondern in einer "Fluidität" und kontextbezogenen Wandelbarkeit des Subjekts liegt, Adressierungen von Studierenden im Schulpraktikum untersucht werden. Anhand von Interaktionsdaten praktikumsbezogener Gespräche zwischen Studierenden und der Praxislehrperson wird objektiv-hermeneutisch bzw. adressierungsanalytisch untersucht, zu wem Studierende in diesen Gesprächen interaktiv "gemacht" werden und zu wem sie sich und ihr Gegenüber im Modus der Readressierung situativ machen. Die Ergebnisse der Rekonstruktion der "Vollzugswirklichkeit" (Hillebrandt 2015) in den Berufspraktischen Studien machen deutlich, dass Studierende mit einer Vielzahl unterschiedlicher Normen konfrontiert sind, die sie situativ in den meisten ratifizieren. Das wird theoretisch in Anlehnung an Ricken (2013) als Subjektivationsgeschehen gefasst, und als Impulse für Professionalisierungsprozesse verstanden. Neben bemerkenswert unterschiedlichen Intensitäten der Adressierung werden "Normen der Anerkennbarkeit" (Reh & Ricken 2012) identifiziert, die berufsspezifische Haltungen und Anforderungen markieren.

 

Literatur

Hillebrandt, F. (2015). Was ist der Gegenstand einer Soziologie der Praxis. In F. Schäfer, A. Daniel, & F. Hillebrandt (Hrsg.), Methoden einer Soziologie der Praxis (S. 15-36). Bielefeld: transcript.

Reckwitz, A. (2008). Subjekt. Bielefeld: transcript.

Reh, S. & Ricken, N. (2012). Das Konzept der Adressierung. Zur Methodologie einer qualitativ-empirischen Erforschung von Subjektivation. In I. Miethe & H.-R. Müller (Hrsg.), Qualitative Bildungsforschung und Bildungstheorie (S. 35-56). Opladen: Barbara Budrich.

Ricken, N. (2013). Zur Logik der Subjektivierung: Überlegungen an den Rändern eines Konzepts. In A. Gelhard, T. Alkemeyer & N. Ricken (Hrsg.), Techniken der Subjektivierung (S. 29-47). München: Wilhelm Fink.