swiseSWISE 050310 015SWISE 050310 008

Beitrag 130

Der Einstieg ins Studium ist der Einstieg in den Beruf. Evaluationsstudie zum Eignungsjahr an der Pädagogischen Hochschule Luzern


Fragestellung

In einem stufengemischten Grundjahr (Kindergarten/Unterstufe, Primarstufe, Sekundarstufe1) werden an der PH Luzern die Studieneignung und eine erste Berufseignung überprüft. Kernelement ist das Mentorat, das die Einführung in die Didaktik mit der Begleitung erster Unterrichtserfahrungen in Praktika sowie mit unmittelbar folgenden Reflexionsseminaren verbindet. Die Mentoratsgruppen von 18 Studierenden aus einem oder zwei Studiengängen werden von einem/einer PH-Mentor*in (Dozent*in der Allgemeinen Didaktik) und zwei Schulmentor*innen (erfahrene Lehrpersonen) sowie in den Partnerschulen von Praktikumslehrpersonen begleitet.

Der Beitrag stellt eine umfangreiche Evaluation dieses Grundjahrmentorats vor, die im Studienjahr 2016/17 erfolgte. Sie überprüfte, ob die Ziele des Mentorats erreicht werden, wie die Kooperation der verschiedenen Beteiligten funktioniert und wie sich die Qualitätssicherungselemente bewähren. Insbesondere sollten Aussagen zum Kompetenzerwerb der Studienanfänger*innen, zur Heterogenität der Studiengruppen, zur Belastung des ersten Jahres, zur Wirkung der Eignungsprüfung und zur Beurteilung der verschiedenen Lehr-Lernmethoden dokumentiert werden.

Theoretische und empirische Bezugspunkte

Grundlage für die Eignungsüberprüfung ist ein Referenzrahmen der Professionskompetenzen, der sich auf Erkenntnisse der Professionsforschung und insbesondere der Bedeutung und Entwicklung von Professionswissen im Lehrberuf stützt (Krammer 2013, Baumert &Kunter 2006, Helsper 2007). Im Grundjahr werden die Voraussetzungen und ersten Entwicklungsschritte in der Aneignung dieser Professionskompetenzen beurteilt, um zu prognostizieren, ob die Kompetenzziele bis zum Ende des Studiums erarbeitet werden können.

Methodisches Vorgehen

Für die Evaluation wurden Studierendenbefragungen, die Auswertung der Feedbackformen in den Modulen, eine Dozierenden- und Praxislehrpersonenbefragung sowie die Dokumentationen von Intervisionen und externen Unterrichtsbesuchen ausgewertet. Ergänzend wurde zu Beginn des Studiums die «mitgebrachte» professionelle Unterrichtswahrnehmung mit dem online-Tool Observer erfasst (Seidel &Stürmer 2014). Diese Kompetenzmessung kann mit Ergebnissen aus einem früheren Studienjahr verglichen und soll als Längsschnittstudie weitergeführt werden. Zudem wurden die Ergebnisse der Eignungsüberprüfung und der Leistungsnachweise ausgewertet.

Befunde

Das Format des Grundjahrmentorats wird von Dozierenden und Studierenden als ein sinnvolles und motivierendes Element zu Beginn der Ausbildung betrachtet: Die frühe Kompetenzorientierung wird unterstützt und eine faire Eignungsabklärung ermöglicht. Die Analyse des Jahrgangs zeigt eine grosse Heterogenität der Eingangsvoraussetzungen. Die zu Beginn des Studiums erhobenen Einschätzungen weisen auf ein gewisses Selbstbewusstsein der Studierenden in Bezug auf die Herausforderungen des Berufs hin. Die Sichtweisen aller Beteiligten unterscheiden sich wenig, mit einigen interessanten Ausnahmen. Verbesserungspotential wird in den aktivierenden Aufgabenstellungen zur Förderung der Verbindung von praktischen Erfahrungen und theoretischen Fundierungen und im Meta-Bewusstsein der Studierenden zum Kompetenzerwerb gesehen.

Diskussion

Die Fokusevaluation bestätigt die wichtige Rolle des Grundjahrmentorats im Eignungsjahres. Die Diskurse aufgrund der unterschiedlichen Expertisen wird als kompetenzförderlich anerkannt. Herausforderungen liegen in der Balance zwischen Erproben und Beurteilung und in der Heterogenität der Studienanfänger*innen. Weiterentwicklungen der Interaktionsformen zwischen Studierenden und Dozierenden sind wünschenswert.

 

Literatur

Krammer, K., Zutavern, M., Joller, K., Lötscher, H. & Senn, W. (2013). Referenzrahmen Ausbildung Lehrpersonen: Professionskompetenzen, Handlungsfelder, Kompetenzaspekte. Luzern: Pädagogische Hochschule.

Baumert, J. & Kunter, M. (2006). Stichwort: Professionelle Kompetenz von Lehrkräften. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 9(4),469-520.

Helsper, W. (2007). Eine Antwort auf Jürgen Baumerts und Mareike Kunters Kritik am strukturtheoretischen Professionsansatz. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 10(4), 567-579.

Seidel, T. & Stürmer, K. (2014). Modeling the structure of professional vision in pre-service teachers. American Educational Research Journal, 51(4), 739-771.