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Beitrag 129

Eignungsdiagnose, Effizienz und Verfahrenssicherheit: Drei Perspektiven auf die Erfahrungen mit den Berufseignungs-Assessments im ersten Durchführungsjahr an der Pädagogischen Hochschule FHNW


Während sich Assessment Center in einigen Wirtschaftsbereichen als Standard etabliert haben, so ist diese Form der Eignungsdiagnostik in der Schweizerischen Lehrpersonenbildung recht neu. Seit 2017 wird an der Pädagogischen Hochschule FHNW für alle Studierenden der Studiengänge Kindergarten-/Unterstufe, Primarstufe und Sekundarstufe I und II als Eignungsabklärung ein Berufseignungsassessment angewendet. In der Form eines Assessment Centers absolvieren Teilnehmende verschiedene Gruppenaufgaben, werden dabei von Fachpersonen beobachtet und anhand definierter Kriterien beurteilt. Durch die Berufseignungsassessments soll möglichst früh abgeklärt werden, ob eine Passung zwischen den Kompetenzen der Person und den Anforderungen des Berufs besteht und damit die grundlegende Voraussetzung für erfolgreiche Ausübung des Berufes vorhanden sind. Das simulationsorientierte Verfahren des Assessment Centers hat sich dafür als prognosestarke Methode herauskristallisiert (Schuler, 2013).

Dieses methodische Vorgehen für alle Regelstudierende einer Pädagogischen Hochschule ist innerhalb der Schweiz bis dato ein Alleinstellungsmerkmal und durchaus mit methodischer, finanzieller und bildungspolitischer Skepsis belegt. Sobald man als Hochschulinstitution eine Selektion vornimmt, stellt sich aus organisationaler Sicht zwingend die Frage nach der Verfahrenssicherheit und Validität. Ein valides und rekursfähiges Verfahren ist daher eine Vorbedingung, sollen mit der Eignungsabklärung Personen vom Studium ausgeschlossen werden. Aus methodischer Sicht werden Fragen aufgeworfen, welche den Anspruch der prognostischen Vorhersage von Berufserfolg in den Fokus nehmen. Ein Anspruch aus Sicht der Hochschule betrifft die Finanzierbarkeit und zielt auf die Herausforderung ab, ein valides und rekursfähiges Verfahren für grosse Studierendenzahlen effizient zu gestalten.

In diesem praxisorientierten Beitrag werden die Konzeption und Vorgehensweisen des Verfahrens vorgestellt. Anschliessend wird in einem kriteriengeleiteten Erfahrungsbericht mit drei Schwerpunkten das erste Durchführungsjahr der Berufseignungs-Assessments analysiert: a) Diagnostischer Aspekt der Eignungsabklärung, b) Aspekt der Verfahrenssicherheit und c) organisationaler Aspekt der Effizienz. Die Datengrundlage bilden dabei die konzeptionellen Überlegungen zu den Berufseignungsassessments sowie die dokumentierten Erfahrungen aus dem ersten Jahr der Durchführung mit rund 800 Studierenden. Kritisch reflektierend wird auf die drei Schwerpunkte eingegangen und aufgezeigt, inwiefern die konzeptionellen Überlegungen sich bewähren und wie sie in der Praxis allenfalls angepasst werden mussten.

Aus diagnostischer Perspektive kann aufgezeigt werden, welche Verfahrensanteile zur Gewährleistung einer validen Eignungsdiagnose eingeführt wurden. Andererseits wird zum Thema der prognostischen Validität mit Bezug auf erste Erfahrungen kritisch Stellung genommen. Bezüglich Verfahrenssicherheit kann gesagt werden, dass die Basis dafür in der Konzeption gelegt werden muss, bei der Umsetzung aber abhängig ist von gut geschultem Personal und einer durchdachten Einplanung des Personals. Die Beleuchtung des Aspekts der Effizienz zeigt auf, welche Wichtigkeit den integrierten Anmeldeprozessen und Schnittstellen zukommt.

Der vorliegende Beitrag orientiert sich stark am Fall «Berufseignungs-Assessment an der PH FHNW», das 2017 zum ersten Mal in dieser Form durchgeführt wurde. Anhand dieses Fallbeispiels wird das Thema der Berufseignung aus methodischer und organisationaler Perspektive diskutiert.

 

Literatur

Schuler, H. (2013). Personalauswahl: Eine eignungsdiagnostische Perspektive. In R. Stock-Homburg (Hrsg.), Handbuch Strategisches Personalmanagement (S. 29-58). Wiesbaden: Springer Fachmedien.