swiseSWISE 050310 015SWISE 050310 008

Beitrag 123

Persönlichkeitsaspekte von angehenden und erfahrenen Lehrpersonen in einer Interventionsstudie zur Förderung der Unterrichtsqualität

 

Neben dem Wissen von Lehrpersonen werden auch den Persönlichkeitsaspekten (Mayr, 2011; Baumert & Kunter, 2011) eine Wichtigkeit für den Aufbau von Lehrkompetenzen und für das professionelle Handeln von Lehrpersonen zugesprochen. Zu den Persönlichkeitsaspekten werden unter anderen Selbstwirksamkeitsüberzeugungen und Persönlichkeitsmerkmale gezählt (bspw. Baumert & Kunter, 2011; Mayr, 2011). Besonders den Selbstwirksamkeitsüberzeugungen wird für die weitere Professionalisierung von Lehrpersonen eine wichtige Rolle zugesprochen. So gelingt Lehrpersonen mit hohen Selbstwirksamkeitsüberzeugungen der Berufseinstieg besser (bspw. Larcher Klee, 2005), sie verbleiben länger im Beruf und zeigen stärkeren Enthusiasmus für den Unterricht (Allinder, 1994; Guskey, 1984). Insgesamt weisen empirische Befunde darauf hin, dass Selbstwirksamkeitsüberzeugungen eine wichtige Komponente in der Regulation von Handlungen im Unterricht sind (Tschannen-Moran & Woolfolk Hoy, 2001). Der vorliegende Beitrag geht auf die Entwicklung der Persönlichkeitsaspekte in der Lehrerausbildung mit angehenden Lehrpersonen und in einer Weiterbildung mit erfahrenen Lehrpersonen ein, die im Rahmen einer forschungsbasierten Interventionsstudie zur Förderung von Unterrichtsqualität bei angehenden und erfahrenen Lehrpersonen entstanden ist. Proband/innen sind Studierende im sechssemestrigen Studiengang Primarstufe und erfahrene Lehrpersonen, die als Praxislehrpersonen und Betreuende der Praktika an der Ausbildung der Studierenden beitragen. Der Fokus der Intervention liegt auf der adaptiven Förderung der angehenden und parallel dazu der erfahrenen Lehrpersonen, ausgehend von videographierten Unterrichtsstunden. Die Intervention mit den Studierenden besteht aus drei Teilen im dritten (innerhalb eines zweistündigen Semesterwochenmoduls), vierten (im Quartalspraktikum) und fünften (wiederum innerhalb eines zweistündigen Semesterwochenmoduls) Semester. Beteiligt sind auch die Kontrollgruppen I (Studierende, welche die bestehende berufswissenschaftliche Ausbildung durchlaufen) und II (Praxislehrpersonen ohne Interventionsteilnahme).

Die Intervention wird multiperspektivisch mit acht Datenerhebungsinstrumenten, eingesetzt zu vier Messzeitpunkten (t1-t4), überprüft. Es interessieren (a) die Ergebnisse zur längsschnittlichen Entwicklung über vier Messzeitpunkte der Unterrichtsqualität, der Selbstwirksamkeitsüberzeugungen und der Persönlichkeitsmerkmale bei den Interventionsgruppen I und II und (b) die Ergebnisse der querschnittlichen Vergleiche der drei Interventionsgruppen mit den Kontrollgruppen I und II zu jedem der vier Messzeitpunkte.

Erste längsschnittliche Ergebnisse der hoch-inferenten Ratings zur Unterrichtsqualität zeigen signifikante Anstiege bei den Studierenden, als auch bei den erfahrenen Lehrpersonen der Interventionsgruppe und signifikante Unterschiede zwischen den Interventions- und Kontrollgruppen. Zudem zeigen sich Veränderungen bei den Selbstwirksamkeitsüberzeugungen und den Persönlichkeitsmerkmalen im gleichen Zeitraum.

 

Literatur


Allinder, R.M. (1994). The relationship between efficacy and the instructional practices of special education teachers and consultants. Teacher Education and Special Education, 17, 86-95.

Baumert, J. & Kunter, M. (2011). Das Kompetenzmodell von COACTIV. In M. Kunter, J. Baumert, W. Blum, U. Klusmann, S. Krauss & M. Neubrand (Hrsg.), Professionelle Kompetenz von Lehrkräften. Ergebnisse des Forschungsprogramms COACTIV (S. 29-53). Münster: Waxmann.

Guskey, T.R. (1984). The influence of change in instructional effectiveness upon the affective cha-racteristics of teachers. American Educational Research Journal, 21, 245-259.

Larcher Klee, S. (2005). Einstieg in den Lehrberuf. Untersuchungen zur Identitätsentwicklung von Lehrerinnen und Lehrern im ersten Berufsjahr. Bern: Haupt Verlag.

Mayr, J. (2011). Der Persönlichkeitsansatz in der Lehrerforschung. Konzepte, Befunde und Folge-rungen. In E. Terhart, H. Bennewitz & M. Rothland (Hrsg.), Handbuch der Forschung zum Leh-rerberuf (S. 125-148). Münster: Waxmann.

Tschannen-Moran, M. & Wooflolk Hoy, A. (2001). Teacher efficacy: Capturing an elusive construct, Teaching and Teacher Education, 17, 783-805.