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Beitrag 121

Quereinstieg: Lernen im Studium und in der berufsintegrierten Phase («Training on the job»)

 

Bei den quereinsteigenden Studierenden an der Pädagogischen Hochschule Zürich handelt es sich um ein neues Segment von Studierenden, die bereits über einen Studienabschluss (oder eine äquivalente Vorbildung) sowie Berufserfahrung verfügen. Die Quereinsteigenden bringen Erfahrungen und Kompetenzen mit Transferpotenzial aus ihrem Erstberuf mit, die für ihren zukünftigen (Lehr-)Beruf als wichtig erachtet werden und daher eine kürzere Ausbildung rechtfertigen. Besonderes Merkmal der Quereinstieg-Studiengänge an der Pädagogischen Hochschule Zürich ist ihre berufsintegrierte Ausrichtung und das ihnen zugrunde liegende „learning-by-doing“-Ausbildungsmodell. Die quereinsteigenden Studierenden sind Gegenstand der präsentierten empirischen Studie: Welche Kompetenzen bringen sie bei Studieneintritt mit, wie entwickelt sich der Kompetenzaufbau im Studium, insbesondere in der berufsintegrierten Phase? Wie erfahren die Studierenden das Lernen am Arbeitsplatz in der Schule? Wie erleben die Studierenden verschiedene Formen der Begleitung in der berufsintegrierten Ausbildungsphase? Als theoretische Grundlage für die hier präsentierte empirische Studie dient das Modell pädagogisch-professioneller Kompetenzen von Lehrpersonen, wie es Baumert und Kunter (2006) beschrieben haben. Nebst den Bereichen Professionswissen und -können, berücksichtigt es subjektive Theorien und Überzeugungen sowie emotional-motivationale Orientierungen und Selbstregulation. Zudem stützen wir uns auf Theorien zum Lernen am Arbeitsplatz (u.a. Billett, 2002, 2004; Darling-Hammond et al., 2002; Tigchelaar et al., 2012), die auf traditionellen Konzepten, wie dem Lernen von und durch Erfahrung (Dewey, 1938) und dem ko-konstruktiven Lernen durch ein „knowledgeable other“ (Vygotsky, 1978) bauen. Präsentiert werden die Ergebnisse einer mehrperspektivischen, längsschnittlichen Untersuchung zu den Quereinstieg-Studiengängen der Pädagogischen Hochschule Zürich. Es liegen Fragebogendaten zu vier Messzeitpunkten vor: am Anfang und am Ende des ersten Studienjahres, am Ende des zweiten, berufsintegrierten Studienjahres und in der Mitte des ersten Berufsjahres. Die Ergebnisse zeigen, dass sich das Wissen und Können der Quereinsteigenden, gemessen anhand eigener Einschätzungen, im ersten Studienjahr ansteigen, im zweiten berufsintegrierten Studienjahr gehen sie eher zurück, und im ersten Berufsjahr bleiben die Einschätzungen etwa gleich hoch wie am Ende des Studiums. In der berufsintegrierten Studienphase schreiben die Quereinsteigenden einen hohen Anteil ihres Lernzuwachses der Begleitung durch die Mentoren, die Fachdidaktik-Coachs und die Fachbegleitungen, die von der Pädagogischen Hochschule organisiert sind, zu. Zur Vorbereitung von Unterrichtslektionen suchen sie hauptsächlich Rat bei den Mentoren, zur Weiterentwicklung ihrer Unterrichtskompetenzen holen sie sich Feedback von den Fachdidaktik-Coachs. Eine systematische Einarbeitung und Unterstützung der Studierenden an den Schulen liegt eher selten vor.


Literatur

Baumert, J. & Kunter, M. (2006). Stichwort: Professionelle Kompetenz von Lehrkräften, Zeitschrift für Erziehungswissenschaften, 4, 469-520.

Billett, S. (2002). Workplace pedagogic practices: Co-participation and learning. British Journal of Educational Studies, 50 (4), 457-481.

Billett, S. (2004). Workplace participatory practices: Conceptualising workplaces as learning environments. Journal of Workplace Learning, 16 (6), 312-324.

Darling-Hammond, L., Chung, R., & Frelow, F. (2002). Variation in teacher preparation: how well do different pathways prepare teachers to teach? Journal of Teacher Education, 53 (4), 286-302.

Dewey, J. (1938). Experience & Education. New York: Kappa Delta Pi.

Tigchelaar, A., Vermunt, J.D. & Brouwer, N. (2012). Patterns of development in second-career teachers’ conceptions of learning and teaching. Teaching and Teacher Education, 28 (4), 1163-1174.

Vygotsky, L. S. (1978). Mind in society: The development of higher psychological processes. Cambridge: Harvard University Press.