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Beitrag 117

Den „Praxishunger“ stillen - Psychologische Bedürfnisse Studierender im Schulpraktikum berücksichtigen


Dass Studierende in lehramtsrelevanten Studiengängen offenbar einen kaum stillbaren „Praxishunger“ haben, kann unterschiedlich erklärt werden. Wissenschaftliche Untersuchungen verweisen einerseits darauf, dass seitens der Studierenden die Forderung nach mehr praktischen Erfahrungen, verteilt über das gesamte Lehramtsstudium, formuliert wird, weil diesen – insbesondere in Kontrast zu theoretischen Ausbildungselementen – eine große Bedeutung zugeschrieben wird (z.B. Bergau, Mischke & Herfter, 2012; Schmacher & Lind, 2000). Andererseits wurde deutlich, dass ein Verlangen nach immer weiteren praktischen Beobachtungs- und Erprobungsgelegenheiten auch darauf zurückzuführen sein könnte, dass einzelne praktische Lerngelegenheiten als nicht ausreichend unterstützend für die Erfüllung individueller Lern- und Entwicklungsbedürfnisse erlebt werden (Evelein, Korthagen & Brekelmans, 2008).

Im vorgeschlagenen Beitrag wird von einer Studie berichtet, die sich mit der Frage befasst, welche psychologischen Bedürfnisse bei angehenden Lehrkräften in Praxisphasen von Bedeutung sind und welche Rolle die Erfüllung solcher Bedürfnisse für den Erfolg einer Praxisphase spielt. Ausgehend von einer umfassenden Durchsicht der vorhandenen Forschungsliteratur zu schulpraktischen Studien und aufbauend auf etablierten psychologischen Bedürfniskonzeptionen wurden vier kontextspezifische Bedürfnisse von Studierenden im Schulpraktikum herausgearbeitet (Dreer, 2016). Auf dieser theoretischen Grundlage wurde in zwei querschnittlichen Teilstudien und zwei längsschnittlichen Tagebuchstudien ein Instrumentarium zur Erfassung der Bedürfnisbefriedigung im Schulpraktikum erarbeitet und erprobt.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die vier theoretisch formulierten Bedürfnisse empirisch gegeneinander abgrenzen lassen und zugleich erwartete Zusammenhänge in mittlerem Maß untereinander aufweisen. Es wurde außerdem deutlich, dass die eingesetzten Skalen auch die gewünschte Entwicklungssensibilität in Bezug auf den zeitlichen Verlauf eines Praktikums zeigen. Erste Zusammenhangsanalysen weisen zudem darauf hin, dass die Erfüllung der vier Bedürfnisse von Bedeutung für den Praktikumserfolg sein könnte. So finden sich etwa statistisch signifikante negative Korrelationen zwischen der Erfüllung der Bedürfnisse in jedem der vier Bereiche und der wahrgenommenen Belastung im Praktikum. Zu diskutieren ist u.a. wie die erfassten zeitlichen Veränderungen der Erfüllungsverläufe systematisch auszuwerten und zu interpretieren sind.

Im Vortrag werden neben dem theoretischen Hintergrund und den Designs der Teilstudien auch weitere Ergebnisse von deskriptiven und Zusammenhangsanalysen präsentiert und diskutiert.

 

Literatur

Bergau, M., Mischke, M. & Herfter, C. (2012). Erwartungen von Lehramtsstudierenden an die erste Phase der Lehrerbildung. Projektbericht. Leipzig: Universität Leipzig

Dreer, B. (2016). Bedürfnisse Studierender im Schulpraktikum - eine Perspektive auf die Bedingungen der schulpraktischen Ausbildung angehender Lehrpersonen. Lehrerbildung auf dem Prüfstand, 9(2), 284-301.

Evelein, F., Korthagen, F. & Brekelmans, M. (2008). Fulfilment of the basic psychological needs of student teachers during their first teaching experiences. Teaching and Teacher Education (24), 1137-1148.

Schumacher, K. & Lind, G. (2000). Praxisbezug im Lehramtsstudium - Bericht einer Befragung von Konstanzer LehrerInnen und Lehramtsstudierenden. Konstanz: Universität Konstanz.