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Beitrag 106.3

Eingebundenheit in den Lehrberuf beim Berufseinstieg: Zusammenhang mit Belastungen, Kompetenz und Unterstützung

 

Theoretischer Hintergrund und Fragestellung

Gemäss Hom et al. (2012) geht der Kündigung einer Person ein Prozess mit mehreren Einflussfaktoren voraus: Distale Faktoren (Arbeitskontext, Arbeitsmerkmale, persönliche Merkmale) wirken auf die individuellen Emotionen und Einstellungen (z.B. Arbeitszufriedenheit, Eingebundenheit), die wiederum die Kündigungsabsicht, bzw. die tatsächliche Kündigung beeinflussen. Die Forschung konzentriert sich mehrheitlich auf die Vorhersage der Kündigung und weniger auf Gründe für den Verbleib. Dies hinterlässt ein unvollständiges Bild, da die Gründe zu gehen andere sind, als die Gründe zu bleiben (Hom et al., 2012). Mitchell et al. (2001) entwickelten aus diesem Grund das Konzept der Eingebundenheit (“embeddedness”), um die Frage zu erforschen, welche Faktoren Angestellte an ihrer Arbeitsstelle halten. Das Konzept erwies sich in zahlreichen Berufsfeldern als guter Prädiktor für den Verbleib (vgl. Zhang, Fried & Griffeth, 2012).

Die vom SNF finanzierte Studie “Was hält Lehrpersonen in der Schule?” (WahLiS), eine Kooperation zwischen der Pädagogischen Hochschule Schwyz und der Universität Bern, untersucht die Relevanz von Eingebundenheit für den Berufsverbleib von Lehrpersonen. Dabei steht auch die Frage im Zentrum, welche distalen Faktoren die berufliche Eingebundenheit fördern bzw. hindern.

Methode

Die Basis der Studie bildet das pädagogische Personal von 63 Schulen aus neun deutschsprachigen Kantonen, die dreimal innerhalb eines Zeitraumes von zwei Jahren befragt werden. Im November 2017 wurden die Daten der ersten Befragungswelle mittels eines elektronischen Fragebogens erhoben. Die präsentierten Befunde stammen aus dieser ersten Welle und basieren auf der Substichprobe der Klassenlehrpersonen mit max. 6 Jahre Berufserfahrung in Kindergarten, Primar- und Sekundarstufe I (N=199).

Mittels blockweisen Regressionsanalysen wurde untersucht, welche Relevanz die erlebten Belastungen, die subjektiv erlebte Passung der eigenen Kompetenzen zu den Aufgaben und soziale Ressourcen in der Schule für die berufliche Eingebundenheit haben.

Ergebnisse und Diskussion

Die Analysen zeigen, dass die wahrgenommene Ambiguität (z.B. durch unklare Erwartungen an die Lehrperson) und die subjektive Überlastung auf die berufliche Eingebundenheit einen negativen Effekt haben. Die wahrgenommene Passung der eigenen Kompetenzen für die Aufgaben hat einen positiven Zusammenhang mit der Eingebundenheit und schwächt die negativen Effekte der Belastungen ab. Die im letzten Schritt eingeführte Unterstützung durch die Schulleitung erreicht keine Signifikanz, jedoch die Unterstützung durch das Kollegium. Gemeinsam erklären Belastungen, Kompetenzen und soziale Ressourcen 21.5% der Varianz der beruflichen Eingebundenheit. Die Ressourcen puffern die negative Auswirkung der Belastungen ab, was für die Gestaltung des Berufseinstiegs relevant ist: Die Eingebundenheit von Berufseinsteigenden kann verbessert werden, indem die Passung von Person und Aufgabe optimiert und Unterstützung gewährleistet wird.

 

Literatur

Hom, P. W., Mitchell, T. R., Lee, T. W., & Griffeth, R. W. (2012). Reviewing employee turnover: focusing on proximal withdrawal states and an expanded criterion. Psychological bulletin, 138(5), 831–858.

Mitchell, T. R., Holtom, B. C., Lee, T. W., Sablynski, C. J., & Erez, M. (2001). Why people stay: Using job embeddedness to predict voluntary turnover. Academy of management journal, 44(6), 1102–1121.

Zhang, M., Fried, D. D., & Griffeth, R. W. (2012). A review of job embeddedness: Conceptual, measurement issues, and directions for future research. Human Resource Management Review, 22(3), 220-231.