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Beitrag 119

Eignung für den Lehrberuf: Zur prädiktiven Validität des Eignungsverfahrens für Lehramtsstudierende an der Pädagogischen Hochschule Salzburg Stefan Zweig


Problem- und Fragestellung, Zielsetzung

Mit der Gründung der PH Österreichs ging die gesetzliche Verankerung von Eignungsverfahren (BGBl. II, 2007) einher. Die Entwicklung angemessener Eignungsverfahren obliegt den jeweiligen Institutionen. Dabei wird „Eignung“ nicht nur hinsichtlich der Bewältigung des Studiums, sondern auch in Verbindung mit Berufsbewährung gesehen (vgl. BGBl. II, 2013). Unter diesem Gesichtspunkt startet 2010/11 an der PH Salzburg eine Längsschnittstudie mit dem Ziel, die prädiktive Validität des eingesetzten Verfahrens zu überprüfen.

Theoretische und empirische Bezugspunkte

Die grundsätzliche Problematik von Eignungsverfahren und den damit verbundenen Auswahlkriterien für Lehramtsstudierende wurde und wird diskutiert (vgl. z.B. Rothland & Terhart, 2011). Aus den bisherigen Befunden ist bekannt: gemittelte Noten der höheren Schule sind die besten Prädiktoren für Studienerfolg (z.B. Spiel, Litzenberger & Haiden, 2007). Weitere Studien belegen Extraversion, Gewissenhaftigkeit und Offenheit („Fünf-Faktoren-Modell“, McCrae & Costa, 1999), soziale, künstlerisch-sprachliche und unternehmerische Orientierungen („Interessensskalen“, Holland, 1997), Lehrer-/ Selbstwirksamkeit (Dauber & Döring-Seipel, 2010), psychische Stabilität, Aktivität/Motivation/Motivierungsfähigkeit, sozial-kommunikative Kompetenz und Grundfähigkeiten/-fertigkeiten (Schaarschmidt, 2012) als wesentliche Prädiktoren für Erfolg im pädagogischen Handeln und für Wohlbefinden im Lehrberuf.

Methodisches Vorgehen

Zur Überprüfung der prädiktiven Validität des Eignungsverfahrens hinsichtlich Studienerfolg sowie Erfolg im pädagogischen Handeln (Schulpraxis und Berufsfeld), startete 2010 eine Längsschnittstudie, die sich in Phase A (2010-2015) und Phase B (2017-2022) gliedert. Phase A umfasste die gesamte Ausbildungszeit, Phase B erhebt die Entwicklung im Berufsfeld. In die Studie (Vollerhebung) sind 314 Studierende und als externe Evaluator*innen bisher 11.230 Schüler*innen eingebunden. Das quantitative Untersuchungsdesign umfasst die Elemente des eingesetzten Eignungsverfahrens, soziodemografische Daten, Maturanoten, Lehrer-/Selbstwirksamkeit, Studienerfolg, pädagogisches Handeln (Selbst-/Fremdeinschätzung) im Rahmen der Schulpraxis und im Berufsfeld sowie das Wissen zu Klassenführung.

Befunde

Die Ergebnisse aus Phase A belegen: Maturanoten sind Prädiktoren für den späteren Studienerfolg, nicht aber für die Bewährung im pädagogischen Handeln. Je besser das Ergebnis im Aufnahmeverfahren, umso besser die späteren Studienleistungen. Studierende, die bessere Ergebnisse im Eignungsverfahren erzielt haben, werden von ihren Schüler*innen in den Praxisklassen hinsichtlich ihres pädagogischen Handelns signifikant besser eingeschätzt. In Summe (Phase A und erste Ergebnisse aus Phase B) kann auf die Validität des Verfahrens für den Studiengang Volks-/Sonderschule, nicht aber für den Studiengang Neue Mittelschule geschlossen werden.

Diskussion

Trotz der bisherigen Ergebnisse bleiben einige Fragen und Diskussionspunkte offen. So zeigen sich beispielsweise in der Detailanalyse keine Effekte zwischen dem Ergebnis der Assessmentaufgaben und den Schulpraxisbeurteilungen. Auch die bisher erhobenen Persönlichkeitsdispositionen Lehrer-/Selbstwirksamkeit weisen keine signifikanten Zusammenhänge mit den Werten im Eignungsverfahren auf. Um die Persönlichkeitsdispositionen differenzierter zu erfassen, wurde für die Erhebung 2017 unter anderem das Fünf-Faktoren-Modell aufgenommen.

 

Literatur

Dauber, H., & Döring-Seipel, E. (2010). Salutogenese in Lehrberuf und Schule. Konzeption und Befunde des Projekts SALUS. Zeitschrift für Pädagogik, 62(10), 32-35.

Schaarschmidt, U. (2012). Eignung für den Lehrberuf frühzeitig erkennen und kontinuierlich fördern. In Weyand, B., Justus, M. & M. Schratz (Hrsg.), Auf unsere Lehrerinnen und Lehrer kommt es an. Geeignete Lehrer/-innen gewinnen, (aus-)bilden und fördern (S. 58-77). Essen: Stifterverband-Verwaltungsgesellschaft für Wissenschaftspflege mbH.

Spiel, C., Litzenberger, M., & Haiden, D. (2007). Bildungswissenschaftliche und psychologische Aspekte von Auswahlverfahren. In C. Badelt, W. Wegschieder & H. Wulz (Hrsg.), Hochschulzugang in Österreich (S. 479-552). Graz: Leykam.