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Prof. Dr. Annelies Kreis

Peer Coaching – Kollegiale Unterstützung auf dem Weg der Professionalisierung


Der Berufseinstieg ist für junge Lehrpersonen eine höchst bedeutsame Phase. Einerseits ist diese geprägt von der Freude, nach der oftmals als fremdgesteuert erlebten Ausbildungsphase endlich autonomer handeln zu können. Gleichzeitig sind Berufseinsteiger/-innen mit vielfältigen Fragen, Ambiguitäten und Unsicherheiten konfrontiert, die sie teilweise als belastend erleben (Keller-Schneider, 2010; Keller-Schneider, Arslan & Hericks, 2016). Eine soziale Ressource können während dieser Phase erfahrenere Kolleginnen und Kollegen sein, die Berufseinsteigerinnen und ‑einsteigern als Mentor/-in zur Seite stehen. Unterstützend kann aber auch die Kooperation mit Peers, d.h. mit ebenfalls in der Phase des Berufseinstiegs tätigen Kolleginnen und Kollegen wirken. Peers können sich «auf Augenhöhe» gegenseitig in ihren Lernprozessen bezüglich berufsfeldbezogener Fragen, Unsicherheiten oder kritischer Ereignisse unterstützen. Diese Zusammenarbeit ist erstens vielversprechend, weil Peers Ähnliches erleben und zweitens, weil sie als hierarchisch Gleichgestellte nicht in einem Abhängigkeitsverhältnis zueinanderstehen, was wiederum eine offenere Kommunikation begünstigt. Verschiedene Studien zeigen denn auch günstige Effekte von Peer Coaching (Goker, 2006; Hooker, 2013; Zwart, Wubbels, Bolhuis & Bergen, 2008). Dabei lässt sich der Gewinn intensivieren, wenn die Beteiligten ihre Zusammenarbeit orientiert an Modellen strukturieren (Thurlings & den Brok, 2017). Die Auswahl an Modellen ist variantenreich. Insbesondere bekannt sind Ansätze kollegialer Beratung (Schlee, 2004) und Intervision, bei denen die lösungsorientierte Bearbeitung von Problemen im Fokus steht, die eine breite Palette von Aspekten der Aufgaben von Lehrpersonen betreffen können. Bei Modellen wie Peer Coaching nach Showers und Joyce (1996), Kollegialer Hospitation (Buhren, 2011) und videobasierten Formen wie Lesson Study (Lewis, 2002) stehen Unterrichtsentwicklung und die Erweiterung der Unterrichtskompetenz von Lehrpersonen im Zentrum. Auch Kollegiales Unterrichtscoaching (Kreis & Staub, 2017), eine Variante des Fachspezifischen Unterrichtscoachings von Staub (2004; West & Staub, 2003), bietet eine entsprechende Orientierung und hat sich in verschiedenen Settings praxissituierten Lernens von Lehrpersonen bewährt. Im Vortrag werden die verschiedenen Ansätze zu Peer Coaching dargestellt und hinsichtlich ihrer Ziele, Vorgehensweisen und des zu erwartenden Nutzens im Berufseinstieg verglichen. Das Referat soll interessierten Personen einen Überblick geben und ihnen eine Einschätzung ermöglichen, ob und inwiefern entsprechende Praktiken von ihnen selbst oder in ihrem Arbeitsumfeld sinnvoll eingesetzt werden könnten.

Literatur

Buhren, C. (2011). Kollegiale Hospitation. Verfahren, Methoden und Beispiele aus der Praxis. Köln: Carl Link.

Goker, S. D. (2006). Impact of peer coaching on self-efficacy and instructional skills in TEFL teacher education. System, 34(2), 239–254. doi:10.1016/j.system.2005.12.002

Hooker, T. (2013). Peer coaching: A review of literature. Waikato Journal of Education, 18(2), 129–139.

Keller-Schneider, M. (2010). Entwicklungsaufgaben im Berufseinstieg von Lehrpersonen. Beanspruchung durch berufliche Herausforderungen im Zusammenhang mit Kontext- und Persönlichkeitsmerkmalen. Münster: Waxmann.

Keller-Schneider, M., Arslan, E. & Hericks, U. (2016). Berufseinstieg nach Quereinstiegs- oder Regelstudium – Unterschiede in der Wahrnehmung und Bearbeitung von Berufsanforderungen. Lehrerbildung auf dem Prüfstand, 9(1), 50-75.

Kreis, A. & Staub, F. C. (2017). Kollegiales Unterrichtscoaching. Ein Instrument zur praxissituierten Unterrichtsentwicklung. Köln: Carl Link Verlag.

Lewis, C. C. (2002). Lesson Study: A handbook of teacher-led instructional change. Philadelphia, Pennsylvania: Research for Better Schools, Inc.

Schlee, J. (2004). Kollegiale Beratung und Supervision für Pädagogische Berufe. Stuttgart: Kohlhammer.

Showers, B. & Joyce, B. (1996). The Evolution of Peer Coaching. Educational Leadership, 53(6), 12–17.

Staub, F. C. (2004). Fachspezifisch-Pädagogisches Coaching: Ein Beispiel zur Entwicklung von Lehrerfortbildung und Unterrichtskompetenz als Kooperation von Wissenschaft und Praxis. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, Beiheft 3(7), 113–141.

Thurlings, M. & den Brok, P. (2017). Learning outcomes of teacher professional development activities: a meta-study. Educational Review, 1-23. doi:10.1080/00131911.2017.1281226

West, L. & Staub, F. C. (2003). Content-Focused CoachingSM: Transforming mathematics lessons. Portsmouth, NH: Heinemann.

Zwart, R. C., Wubbels, T., Bolhuis, S. & Bergen, T. C. M. (2008). Teacher learning through reciprocal peer coaching: an analysis of activity sequences. Teaching and Teacher Education, 24(4), 982–1002.